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# Wie Minimalismus dein hochsensibles Leben einfach bereichert, ohne dass dir was fehlt

Minimalismus und Hochsensibilität? Wenn du dich fragst, wie das zusammenpasst, dann bist du hier genau richtig. Im Folgenden zeige ich dir, welche Vorteile der angewandte Minimalismusgedanke hat, und warum besonders hochsensible Menschen von einem minimal inspirierten Leben profitieren.

Was bedeutet Minimalismus?

In der Kunst gab es schon in den 60er Jahren den Ansatz, durch die Reduktion auf übersichtliche und meist geometrische Strukturen, einfache Formen herzustellen. Minimalismus in seinen Grundzügen ist also keine neue Erfindung, kann aber im Kontext von Hochsensibilität eine ganz neue Lebenserfahrung für uns bedeuten. 

Versteht man ihn als eine praktische Umsetzung eines vereinfachten Lebensstils, kann er dabei helfen, Stress zu vermeiden und mehr Ruhe und Gelassenheit in den Alltag zu bringen. Dies gelingt durch die Beschränkung auf das Wesentliche in verschiedenen Bereichen des Lebens.

Für mich bedeutet das im Alltag, bewusst auf das zu verzichten, was überflüssig oder unnötig für meine Sache ist. Ich mag es gerne einfach, übersichtlich und strukturiert. Das hängt mit meiner hochsensiblen Natur zusammen. Alles was mich ablenkt, potentiell irritiert oder sinnlosen Aufwand bedeutet, vermeide ich gerne und halte mich an den Grundsatz von simplify your life. 

Ich frage mich bewusst, was mir eine Sache bringt. Habe ich Nutzen und Freude daran oder stiftet sie mir einen Wert? Wenn ja, dann lass ich sie gerne in mein Leben. Ist das aber nicht der Fall, darf sie draußen bleiben. Das ist mein pragmatischer Ansatz, um mit einfachen Mitteln gute Entscheidungen zu fällen. 

Was aber für mich funktioniert, muss für dich nicht unbedingt auch passen. Insofern darf jeder für sich bestimmen, was zu viel, zu wenig oder genau richtig ist. Das Prinzip Minimalismus kann dabei grundsätzlich auf alle möglichen Bereiche des Lebens angewandt werden. Das gilt ebenso für die persönliche Nutzung von Konsumgütern, die Gestaltung der eigenen Wohnung oder auch den Umgang mit digitalen Medien. 

Warum Minimalismus für hochsensible Menschen nützlich ist

Als hochsensible Menschen verfügen wir über eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit. Äußere Reize nehmen wir dadurch intensiver auf und verarbeiten sie auch stärker. Die hektische Fußgängerzone, der Lärm im Straßenverkehr, die Baustelle hinterm Haus. All dies sind potentielle Quellen, die zu Überstimulierung beitragen können. 

Angenehm, wenn man sich dann auf ein aufgeräumtes Zuhause freuen kann. Sachlich, schlicht und von allen überflüssigen Impulsen befreit, kann man hier wieder Energie tanken und sich von den vielen Eindrücken erholen. Reduktion auf das sichtbar Wenige kann so beruhigend sein! Und in dieser Erkenntnis steckt schon der entscheidende Mehrwert für den hochsensiblen Umgang mit der materiellen Welt: Weniger ist mehr.

Gleiches gilt zum Teil auch für den Kontakt mit Menschen. Für Tipps dazu, hol dir gerne meinen digitalen Ratgeber gegen Stress im Alltag. Darin erfährst du mehr über einen selbstwirksamen Umgang mit Hochsensibilität und der Welt im Außen. Bei Interesse nachfolgend einfach in meinen Newsletter eintragen (jederzeit kündbar) und als Dankeschön den Mini-Ratgeber mit Tipps für mehr Wohlbefinden in einer lauten Welt erhalten.

Visueller Stress

In vielen Haushalten ist die optische Situation eher chaotisch und vielleicht erkennst du dich hier auch selbst wieder. Wer kennt dieses lästige Szenario nicht: Der Flurschrank ist proppenvoll, eine Schuhparade stapelt sich davor, alles ist visuell überladen und schreit nach Aufmerksamkeit. 

Aus dieser Unordnung bewusst auszusteigen und die Anzahl der sichtbaren Dinge zu reduzieren, kann erheblich dabei helfen das Stresslevel im Alltag zu reduzieren. Denn für hochsensible Menschen ist besonders die visuelle Aufnahme von Reizen ein wesentlicher Faktor, der zu Unwohlsein und Stress beitragen kann. 

So mahnt also die schöngestapelte Schuhparade täglich an den dringend zu entrümpelnden Flurschrank, damit die Schuhe endlich wieder darin, statt davor, ihren Platz finden können. Ein solches Warnsignal darf gerne wahrgenommen und adressiert werden. Denn sobald das Problem gelöst ist, stellt sich zur Belohnung eine innere Ruhe ein, weil das äußere Chaos und der visuell mahnende Trigger nicht mehr um Aufmerksamkeit schreit. Aus den Augen, aus dem Sinn.  

Emotionaler Ballast

Da wir jetzt wissen, dass schon Schuhparaden unser Befinden negativ beeinflussen können, möchten wir vielleicht auch erkennen, wo uns die materielle Welt auch auf emotionaler Ebene das Leben schwer machen kann. 

Wenn der antike Schrank nur noch eine Last der Erinnerung an die verstorbene Großmutter ist, dürfen wir selbstkritisch fragen, warum er weiterhin in der Küche steht. Wem tun wir hier einen Gefallen, an einem Erbstück festzuhalten, das uns eigentlich keine Freude bringt? 

Entscheiden wir uns doch lieber für ein Stück persönliche Freiheit und trennen uns vom alten Holz. Es passt vielleicht ohnehin nicht mehr zur modernen Küchenausstattung. Mit einem solchen Schritt schaffen wir uns nicht nur wieder Platz in der Küche, sondern verabschieden uns auch nachhaltig vom emotionalen Ballast, den wir bisher damit zu tragen hatten. 

Ein Trick zum Loslassen

Ich habe die befreiende Erfahrung vom Loslassen emotional behafteter Erinnerungsstücke selbst erlebt. In meinem Fall waren es überwiegend Dinge aus meiner eigenen Vergangenheit. Ich erinnere mich an einen Steiff Teddybär aus meiner Kindheit, den ich bei jedem Umzug wieder aus einer Kiste ziehen durfte. Allerdings blieb es jedes Mal nur bei dieser kurzen Begegnung. Denn auf meiner Couch sitzen haben wollte ich ihn in mittlerweile nicht mehr. 

Ich bekam aber einen Tipp, wie ich emotional behaftete Dinge leichter loslassen konnte, ohne die damit verbundene Erinnerung sogleich aufgeben zu müssen. Der einfache Trick besteht darin, ein bezauberndes Foto vom jeweiligen Gegenstand zu machen. Bei Bedarf kann das Bild dann jederzeit herausgeholt werden. Entsprechend wanderte der digitale Teddy ins Fotoalbum auf dem Mac, während der echte Fusselbär einen glücklichen Käufer bei eBay fand. 

So entstand meine persönliche Win-Win-Win Situation. Ich hatte nun 50€ mehr im Geldbeutel, beim nächsten Umzug weniger emotionalen Ballast, und eine hochauflösende Erinnerung, die ich mit nur einem Mausklick auf meinen Bildschirm zaubern konnte. So einfach kann es manchmal gehen.

Mehr Leichtigkeit und Zeit

Einmal umgesetzt und verinnerlicht, ist die oben genannte Vorgehensweise äußerst hilfreich im Umgang mit sentimental behafteten Dingen, die man aus praktischen Gründen gerne loswerden möchte. Das tolle daran ist nicht nur die Erleichterung des emotionalen Rucksacks, die sich durch das Loslassen von überflüssigen Dingen einstellt, sondern auch die konkrete Reduktion der mit den Dingen verbundenen Tätigkeiten. Kein Umräumen, kein Entstauben, kein Reparieren ist mehr nötig. 

Denn jede nicht mehr zu verrichtende Tätigkeit, die mit einem Ding zuvor noch verbunden war, bedeutet nun ein Stück mehr Lebensqualität durch Leichtigkeit und freie Zeit. Und davon wollen wir doch eigentlich alle etwas mehr. Nur, dass wir uns oftmals dabei selbst im Wege stehen. Oder vielmehr die Dinge, mit denen wir uns so unrühmlich umgeben, in der falschen Hoffnung, dass sie uns doch bitte glücklich machen sollen. Leider tritt aber gerade das häufig gar nicht ein.

Ordnung ist das halbe Leben: weniger haben, um mehr zu sein

Eine Inventur unseres materiellen Lebens kann sehr einfach sein. Je weniger wir haben, umso weniger müssen wir ordnen und verwalten. Allein das ist schon der Hauptgewinn, der uns durch den Minimalismus geschenkt wird: kostbare Zeit, die wir für die wichtigen “Dinge” im Leben nutzbar machen können. Denn es sind die sozialen Beziehungen, die Familie und Freundschaften, die nachhaltiger zum Lebensglück beitragen, als das materielle Dinge jemals leisten können. Zwischenmenschliche Kontakte haben nachweislich positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und steigern somit das persönliche Wohlbefinden. 

Und obwohl wir das eigentlich auch spüren, tun wir uns oft schwer damit, uns weniger mit den Dingen und mehr mit den Menschen zu beschäftigen. Der Grund dafür ist jedoch einfach: mehr noch als von Menschen, sind wir von Dingen umgeben, die uns ständig ablenken und unsere Aufmerksamkeit einfordern. Und dabei erschwert uns die schiere Anzahl der zu verwaltenden Dinge einen zufriedenstellenden Fokus auf das Wesentliche: nämlich mehr zu sein, statt mehr zu haben. 

Lebenszeit

Lebenszufriedenheit zu erlangen ist häufig eine knifflige Sache und muss gelernt werden. Materielle Dinge helfen uns dabei nur bedingt. Doch obwohl wir das wissen, neigen wir dazu, uns immer mehr mit ihnen zu umgeben. Oder wir tun uns zumindest schwer damit, das Leben etwas weniger von ihnen bestimmen zu lassen. Die Wohnung, der Keller und selbst der Kofferraum vom Auto ist ständig gefüllt mit Kram, den wir nicht wirklich brauchen. 

Die Dinge sind zu Anhängseln geworden, die uns überall hin verfolgen. Unbewusst haben wir einigen davon einen so großen Raum gegeben, dass wir uns regelmäßig darüber ärgern dürfen, unsere kostbare Energie an ihnen zu verschwenden. Denn auch die große Zwergensammlung im Regal muss regelmäßig entstaubt und der aufwendige Vorgarten schon wieder gepflegt werden. Wiederkehrende Tätigkeiten also, die uns ordentlich beschäftigt halten. 

Wir dürfen uns daher fragen: Warum machen wir das? Wieviel Freude haben wir tatsächlich an diesen Dingen? Und brauchen wir das alles (noch)? Solange uns dafür keine freudigen Antworten einfallen, dürfen wir erkennen, dass uns Dinge und die damit verbunden Aufgaben hauptsächlich eines kosten: unwiederbringliche Lebenszeit.

Finale Befreiung über das Altpapier

Bei vielen Dingen, die wir in unser Leben bringen, meinen wir oft nur, dass sie uns Freude bereiten. Oder sie sind durch spitzfindige Werbeaktionen zu uns nach Hause gekommen. Dazu gehört auch das anfänglich noch kostenlose Reisemagazin, das vergessen wurde wieder abzubestellen. Jetzt flattert es aber regelmäßig in den Briefkasten; und gewöhnt haben wir uns auch schon dran. An all die schönen Hochglanzcover mit Traumzielen, die wir niemals alle werden bereisen können.

Aus Zeitmangel schaffen wir es ja nicht mal darin zu blättern. Und so mutieren die gestapelten Einzelhefte fortlaufend zu einem neuen Einrichtungsgegenstand im Wohnzimmer. Wegschmeißen? Auf keinen Fall! Denn irgendwann werden die Hefte bestimmt nochmal gelesen, oder? Zumindest möchten wir das glauben. 

Realistisch ist eher die ungelesene Entsorgung im Altpapier. Denn letztendlich werden wir erkennen, dass die Blattsammlung unser Leben nicht wirklich bereichert. Daher entscheiden wir uns in einem wachem Moment für die Kündigung des Abos und atmen befreit auf, wenn uns auch die visuelle Last, über das rausgeschmissene Geld, endlich verlassen hat.

Fazit

Minimalismus ist befreiend und öffnet eine Tür zu mehr Zufriedenheit. Auf einfache Weise hilft er uns dabei, Stress und Ballast loszulassen. Im Gegenzug bringt er Zeit, Raum und Leichtigkeit in unser Leben. Du möchtest den minimalistischen Gedanken mal auszuprobieren? Überlege dir, wo du mit kleinen Schritten anfangen kannst. 

Du hast gar keine Zwergensammlung im Wohnzimmer? Besser ist das. Bestimmt aber eine Küchenschublade, die mal ausgemistet werden möchte! Frage dich einfach, was darin ist sinnloser Kram, mehrfach vorhanden, oder seit über einem Jahr schon ungenutzt? Sei ehrlich zu dir selbst und überlege, was du gehen lassen möchtest. 

Du wirst erleben wie befreiend es ist, wenn wir uns angewöhnen, das Klammern an die Dinge allmählich aufzugeben. Denn um so mehr Bereiche deines Lebens du minimal gestalten kannst, um so mehr Gelassenheit und Entspannung wird sich letztendlich auch in deinem Alltag widerspiegeln. Also, einfach mal loslassen. Dein hochsensibles Wesen wird es dir danken.